Standort ‘Deutschland‘: Wie Infrastruktur neues Wachstum schaffen kann
Shownotes
Standort ‘Deutschland‘: Wie Infrastruktur neues Wachstum schaffen kann
Straßen, Schienen, Gebäude und Datenwege sind vielerorts marode. Der Investitionsdruck ist enorm – und eine Chance: Wenn Staat, Unternehmen und Finanzwirtschaft ihre Projekte besser koordinieren, kann aus Modernisierung ein Wachstumsschub für Deutschland entstehen.
Die Studie zum Podcast finden Sie hier: https://www.pwc.de/de/reinvention/standort-zukunft-infrastruktur.html
Dieser Podcast ist Teil der Reihe "Standort Zukunft" in der wir aktuelle Studien rund um den Zustand der deutschen Wirtschaft besprechen und Learnings für ein "neues Wirtschaftswunder" sammeln. Hören Sie dazu auch Folge 1 der Reihe mit Michael Weiß. " Standort Deutschland: Wie gelingt ein Neuanfang?" erschien am 16.9.
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Mehr zu So klingt Wirtschaft, dem wöchentlichen Business-Podcast der Solutions by Handelsblatt Media Group, unter: handelsblatt.com/adv/soklingtwirtschaft/
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Start: End: Wir sind auf einer Baustelle, wie es sie so viele in Deutschland derzeit gibt und auch noch geben wird. Denn Straßen, Brücken, Schienen, Stromnetze und Datenleitungen, wenn wir ehrlich sind, es muss so einiges modernisiert werden hier im Land. Das wissen nicht nur Autofahrer, Kunden der Bahn oder Firmen, die auf schnelles Internet warten. 500 Milliarden Euro stehen dafür bereit. Und die brauchen wir. Denn mehr als 80 Prozent der Unternehmen sagen, wir sind auf leistungsfähige Infrastruktur angewiesen. Das zeigt die Studie Standort Zukunft von PwC Strategy & und dem Handelsblatt Research Institute. Aber reicht neues Geld allein jetzt aus? Oder braucht Deutschland vor allem neue Ideen für Planung und Umsetzung? Und können daraus vielleicht auch Chancen entstehen? Darüber spreche ich mit Rebecca Berbner, Partnerin für Capital Projects, Infrastructure and Risk bei PwC Deutschland. Grüß dich, herzlich willkommen. Hallo Matthias. Und damit herzlich willkommen zu einer Folge So klingt Wirtschaft. Station Voice
Start: End: So klingt Wirtschaft. Zukunftsthemen für Unternehmen. Jeden Mittwoch sprechen wir mit EntscheiderInnen über die Herausforderungen und Trends in ihrer Branche. Mit jeder Menge Insights und neuen Denkanstößen. Aus der Wirtschaft für die Wirtschaft. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Rebecca, Deutschland will ja in vielen Bereichen immer Vorreiter sein. KI zum Beispiel, vieles tut sich im Land, ist ein ambitioniertes Vorhaben. Aber wenn wir ehrlich sind, ein Blick auf die Straßen reicht ja schon, um zu merken, Also ganz von alleine oder ein Selbstläufer ist das nicht. Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Nee, absolut nicht, Matthias. So sehen wir das auch. Der Handlungsdruck ist enorm. Es ist so, dass wir in den letzten Jahren, und das haben wir alle erlebt, vielleicht auch, wenn man unterwegs ist in der Infrastruktur, sehr wenig Investitionen gesehen haben. Die Infrastruktur ist in vielen Teilen marode und wir müssen investieren. Wir haben das Geld, es ist aber enorm wichtig, dass wir dieses jetzt auch investieren. Wir können auch erkennen, dass jede investierte Euro mehr Mehrwert in der Zukunft bringt, Wenn wir die Wirtschaft richtig angehen und wenn wir die Dinge richtig priorisieren. Von daher Handlungsbedarf ist da, Druck ist da, Geld eigentlich auch. Jetzt heißt es umsetzen und machen. Darauf kommt es jetzt an. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Also wenn ich dich auch richtig verstehe, dieses Thema Infrastruktur, jahrelang hat Deutschland sozusagen von der Substanz gelebt. Jetzt sind wir an dem Punkt, wo wir sagen müssen, reicht nicht mehr, wir müssen was tun. Es ist sozusagen vom Hintergrundfaktor zu einem wirklichen Vordergrundfaktor geworden. Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Wir können jetzt erkennen, dass die Investitionen in Milliardenhöhe notwendig sind. Wir werden aber auch privates Kapital brauchen und es sind dreistellige Milliardenbeträge. Also das muss man sich an der Zunge zergehen lassen. Das sind Zahlen, die für die Investitionshöhe enorm groß sind, die viel Bedarf da haben, es wirtschaftlich zu bekommen, aber auch neu. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Aber lass uns mal vor allem aus Sicht eines Unternehmens schauen. Woran merken die denn zum Beispiel ganz gezielt, ey diese Substanz, die reicht nicht mehr aus, von der wir jetzt jahrelang gelegt haben. Wir müssen einen Schritt nach vorne tun und wirklich investieren und die Infrastruktur voranbringen. Woran merkt so ein Unternehmen das? Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Wir können leider sehen, dass schon Produktionsausfälle da sind, dass Unternehmungen leider die Lagerkapazitäten ausbauen müssen, dass wir nicht mehr den richtigen Zugang zur Infrastruktur haben und was wir ganz besorgniserregend finden, dass die Unternehmungen eben auch sagen, unserer Befragung gestützt, dass der Standort nicht so attraktiv ist, wenn wir nicht eine gute leistungsfähige Infrastruktur bieten. Das heißt also, das Problem Infrastrukturlücke ist angekommen bei vielen Unternehmen und die Unternehmen fangen an zu investieren. Sie machen sogar Rückfallebenen und mit großen finanziellen Mitteln möglich, was natürlich nicht die Lösung sein kann. So kommen wir in Wettbewerbsnachteile und das hilft natürlich keinem Unternehmen, wenn es sich selbst versorgen muss für eine eigentlich notwendige Rahmenbedingung, die aber zum politischen Wirtschaftsfaktor wird. Gibt es jetzt ein oder zwei Branchen, die besonders betroffen sind? Wir können in unserer Befragung sehen, dass wir eine ganze Breite von völlig unterschiedlichen Industrien gefragt haben und wir sehen eine hohe Betroffenheit bei 80 Prozent. Also von daher können wir keine Industrie wirklich ausschließen und sehen, dass großer Bedarf in allen Bereichen da ist. Die digitale Infrastruktur ist enorm wichtig. Das können wir auch lesen. 60 Prozent der Befragten sagen, digitale Infrastruktur, also die Möglichkeit, die neuen Industrien zu leben, Industrie 4 .0, KI, das steht ganz vorne. 60 Prozent der Befragten sagen das. Und da reden wir jetzt auch nicht erst seit gestern darüber, dass das wichtig ist. Überhaupt nicht. Und dazu gehört leider viel mehr, als zu sagen, ich stelle ein Rechenzentrum über hin. Deshalb, ich brauche die Infrastruktur auch dazu. Das wäre das nächste Thema. Ich muss auch elektrifizieren. Ich brauche also eine gute Energiewende, das auch ein Riesenaufwand sein wird in der Zukunft. Wir sprechen nicht mehr von zentraler Infrastruktur, die die ganz einfachen Verteilungen in Deutschland machen. Es wird dezentral, es wird neue Strömungen geben. Und dann gibt es noch einen Punkt, den wir spannend finden. Wenn ich früher vielleicht ein Industriegebiet gesehen habe, habe ich gesagt, bin ich mit der Autobahn gut angebunden. Sind meine Kapazitäten so, dass ich sie vielleicht über Bahn oder Wasserstraße wegbringen kann? Heute stellen wir uns die Frage, ist die digitale Infrastruktur vorhanden? Und das sind unterschiedliche Themen, die aber nicht gemeinsam gedacht werden. Da sind wir heute noch nicht. Es ist nicht so, dass wir eine Behörde haben, die sagt, ach guck mal, sind die digitalen Wege hier oder ist die Infrastruktur ausgebaut? Daran müssen wir arbeiten und das sind viele Schritte, die da zu tun sind. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Das heißt, es muss weg von diesem fragmentierten Blick, zum Beispiel einer kümmert sich nur um Straßenbau, einer um Leitungsbau etc. hin zu einer ganzheitlichen Perspektive. Und man denkt von vornherein, Straßenwege, Datenwege und zum Beispiel Energieversorgung denkt man in einem mit. Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Genauso, Matthias. Von der ersten Idee bis hin über die Genehmigung bis zum Bau, das ist das, was wir wichtig finden. Dass wir sagen, es gibt einen Infrastruktur -Taktfahrplan, mit dem schaffen wir es, die ganzen Dimensionen abzufahren. Wir überlegen uns über alle Infrastrukturmaßnahmen, in dem Fall fokussieren wir jetzt mal kurz Infrastruktur, die landgebunden ist, Die müssen wir planen und übereinanderlegen und mit datengetriebenen Modellen sehen, wo arbeiten wir, wo sind Möglichkeiten zu investieren und wo kann ich auch als Wirtschaft reagieren, wenn wir mal die Bauwirtschaft sehen, die muss sich ja auch darauf verlassen können, dass sie investieren können, dass sie ausbauen können und vorankommen. Das heißt also, wir brauchen Umsetzungsstrategie, Koordination und leider noch ein Riesenthema, auch ausreichend Fachkräfte. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Aber welche Anforderungen stellen jetzt diese Bereiche, die du erwähnt hast, zum Beispiel Daten bzw. Digitalisierung, Energie und gleichzeitig aber auch zum Beispiel Produktionsstätten? Welche neuen Anforderungen sind vielleicht im Vergleich zu vor zehn Jahren jetzt neu dazugekommen, dass man sagen muss, da muss man auch eine ganz neue Sicht darauf anwenden? Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Also nehmen wir jetzt zum Beispiel nochmal die digitale Infrastruktur. Da muss ich mich als Unternehmen fragen, habe ich die, wenn ich einen Standort beziehen will? Ist es wirklich verortet oder muss ich noch darum kämpfen, dass ich morgen die ausreichenden Kapazitäten habe? Es ist interessant, dass wir uns die Frage überhaupt noch stellen müssen. Dann Energieversorgung, weil ich gerade sagte, sie wird dezentral. Es ist also nicht mehr so, dass wir aus einer Zentralität ziehen können und davon ausgehen können, dass wir versorgt sind. Das wird sich in den nächsten Jahren extrem ändern. Milliarden starke Investitionen werden reinlaufen. Also muss ich mich fragen, bin ich richtig verortet, habe ich die richtigen Kapazitäten und kann damit auch morgen in grüne Zukunft investieren zum Beispiel. Und ist es resilient? Das bedeutet auch, wenn ich mich ansiehe, muss ich mich fragen, wo stehe ich heute, wie sind die Sanierungspläne und wie sieht der Ausbau in der Zukunft aus? Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Wenn ich dich auch richtig verstehe, in den letzten Jahren ging es vor allem auch darum, sozusagen Zentren zu bauen. Ich höre aber bei dir immer wieder raus, es geht jetzt darum, dezentral, also flächendeckend, Deutschland neu aus der Infrastruktur zu erschließen und zu denken. Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Das wird das große Thema werden, weil wir haben eine Karte in dieser Studie gemacht. Wenn wir uns das mal anschauen, dann buddeln wir halb Deutschland auf, um die dezentrale Infrastruktur zu ermöglichen und leider an allen Ecken und Enden zu investieren, um zu modernisieren. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Also ein großes Vorhaben. Absolut. Absolut. Ich habe eine Zahl auch von euch von PwC recherchiert. Unternehmen könnten sagen, wir sind bereit, wir können jederzeit loslegen. Jetzt gleichzeitig sagen aber zum Beispiel beim Thema Kosten viele Unternehmen, die scheppern richtig rein. Also neun von zehn sagen, wir haben einen zu großen Kostendruck und müssen da irgendwie gucken, dass wir klarkommen. Drei von vier Baufirmen geben zum Beispiel an, dass Projekte verschoben oder ganz gestrichen werden müssen. Aus Kostengründen ist natürlich schon wieder wie so ein Bremsklotz bei diesen ganzen Formen, die Infrastruktur nach vorne zu bringen. Wie verhindern wir jetzt, dass solche Entwicklungen, solche Trends, dieses große Vorhaben, Modernisierung, Infrastruktur wirklich zum Scheitern bringen können? Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Wie verhindern wir das? Wir können auch die Verunsicherung der Unternehmen verstehen. Es war die letzten Jahre keine Sicherheit da drin, wie investiert wird. Und das müssen wir ändern. Also wir müssen ein leistungsfähiges Umsetzungskonzept uns überlegen, vom Staat über die Unternehmung bis hin zur Gesellschaft. Wir müssen uns überlegen, wie das ineinander greift und wie wir eine gute Koordination rausbekommen. Ich sprach vorhin schon mal von dem nationalen Infrastrukturtaktgeber. Wir müssen verstehen, welche Projekte werden umgesetzt, wo werden diese umgesetzt und wo bilden sie vielleicht auch Engpässe. Das kann man auch positiv dann in Kapazitätsausbau der Unternehmen umformen, indem man sagt, ich weiß, in den nächsten Jahren wird es Investitionen brauchen und ich bin bereit, als Unternehmung zu investieren und auch in Personal und digitale Strukturen zu investieren. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Und wenn wir diesen Deutschland -Takt jetzt wirklich wahr werden lassen wollen, wo müssen wir als erstes ansetzen? Ist es ganz oben gesagt die Bundesbehörde, die auch mal anfangen muss, sozusagen Kompetenzbereiche miteinander zu vereinen und zu sagen, wir arbeiten kooperativ zwischen Ministerien zusammen und nicht das Kompetenzgerangel Mein -Tanz -Bereich, Dein -Tanz -Bereich? oder ist es auf der kleineren Ebene, dass es eher in den Kommunen und Städten anfangen muss? Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Also der Staat hat einen Beitrag zu leisten. Hier sagen wir, er muss dafür sorgen, dass wir Rahmenbedingungen schaffen, dass wir über alle Verkehrswege und über die großen Investitionsgruppen hinweg eine gemeinsame Strategie finden. Dass man nicht schaut, hier ist mein Tanzbereich, hier ist dein Tanzbereich, sondern eine übergreifende Strategie findet, wie die Infrastruktur gelingen kann. Dazu gehört auch, dass wir uns überlegen, wie Prozesse digitalisiert werden. Wir wissen, es gibt schon viele Initiativen, aber diese müssen verstärkt werden, dass wir möglichst schnell sowas wie Genehmigungen, Planungsprozesse auch auf der Entscheider -Ebene in den öffentlichen Bereichen möglichst gut umgebaut bekommen. Und es braucht Kapazitäten. Das mag seltsam klingen, wenn man sagt, wir digitalisieren, aber auf der anderen Seite wissen wir, dass gar nicht ausreichend personelle Kapazitäten vorhanden sind. Der Start allein reicht aber nicht. Auch die Unternehmen müssen mithelfen, indem sie sich tatkräftig aufstellen und für Projekte in der Zukunft das Personal ebenfalls stellen, Schauen, dass sie sich auch digitalisieren. Da sehen wir auch noch, dass es große Möglichkeiten gibt und dass wir auch sehen, dass sie wirklich gut Projekte umsetzen. Und auch die Finanzwirtschaft kann helfen. Wir sprachen vorhin von öffentlichen 500 Milliarden, die investiert werden, aber es gibt alle Möglichkeiten, dass auch die Finanzwirtschaft sich Instrumente überlegt wie Fonds oder andere Themen, um privates Kapital in diesen attraktiven Marktinfrastruktur zu bringen. Naja und jeder Bürger als Gesellschaft kann auch dazu beitragen. Denn das Thema Akzeptanz ist sicher auch ein großes. Keiner von uns mag es, wenn neben einem aufgeschüttet wird und gebuddelt wird und Dinge verspätet sind. Aber ein bisschen akzeptant wird es die nächsten Jahre zugehören. Da kann man sich positiv in die Partizipation bringen und schauen, dass wir uns als jeder Einzelne und als Gesellschaft einbringen. Ohne uns alle gemeinsam würde es nicht gehen. Von daher die Frage ist nicht eine, sondern alle gemeinsam. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Ich habe mal genau in eure Studie reingeguckt und ihr sprecht da vom sogenannten Fiskalhebel mit einem Wert von 1 ,2. Jetzt wird es ein bisschen fachlich technisch. Wenn wir von einem Fiskalhebel von 1 ,2 sprechen, das bedeutet, dass aus einem Euro öffentlicher Investitionen kurzfristig 1 ,20 Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung entstehen können. Das müssen wir ein bisschen genauer erklären. Wie wirkt jetzt dieser Hebel beim Thema Infrastruktur dann ganz genau? Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Das wie Konjunkturprogramm kannst du dir das vorstellen. Also wir investieren und dann kann die Bauwirtschaft ebenfalls investieren, bekommt Angebote, es wird Nachfrage geschaffen und kurzfristig haben wir also eine Investition in unsere Infrastruktur. Mittelfristig wird die Angebotsseite besser. Wir sprachen vorhin von Herausforderungen in Logistik, wir sprachen davon, dass unser Produktionsfaktor vielleicht nicht so attraktiv ist und wir ziehen damit auch wieder Kapital an. Das heißt kurzfristig Konjunkturprogramm. Ich bekomme einen Auftrag und langfristig investiere, habe eine bessere Infrastruktur und bin attraktiv für Wirtschaft und Industrie. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Was muss jetzt überhaupt geschehen, damit wirklich dieser Fiskalhebel von 1 ,2 auch wirklich greift? Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Also das ist mit einer der interessantesten Erkenntnisse, finde ich. Wir müssen kurzfristig agieren. Wir haben jetzt nicht die Zeit zu überlegen, wir machen jetzt drei Jahre erstmal einen Plan und dann setzen wir ihn irgendwann um. Kurzfristigkeit und zwar in den nächsten drei bis fünf Jahren wird erst die Wirkung entfalten oder wird nur dann die Wirkung entfalten, kann man sagen. Das heißt, was wir sagen, es muss jetzt eine schnelle Umsetzung passieren. Wir müssen klar sehen, wo Kapazitäten allokiert werden können. Wir müssen einen Plan machen, welche Projekte baureif sind. Wir müssen in Schnelligkeit, in Planung und Genehmigung investieren, denn es muss Mittelabfluss passieren. Sonst haben wir eine schöne Zahl, aber die wird nicht realisiert. Wir wollen die Chance doch nutzen, Wachstum zu treiben. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Und wie verhindern wir, dass aus diesem kurzfristigen Vorhaben etwas wirklich produktiv lösen zu wollen, blinder Aktionismus wird, wie man ja auch in manchen Projekten gesehen hat? Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Ja, da kommen wir wieder zu der Transparenz über alle Industrieklassen oder Assetklassen, wie wir sagen, Investitionsklassen und wir müssen sehen, wo sind die Projekte baureif, wo ist ein Nutzen, wo habe ich auch und das ist der Teil, den sehen wir leider auch, vielleicht auch eine Herausforderung, dass ich eine Infrastruktur habe, die kritisch ist, dass ich also auch wirklich investieren muss. Ich darf also nicht da rein verfallen zu sein, die erste Zahl ist die schönste, sondern ich muss Projekte abwägen, ich muss mir die Projekte in der Breite anschauen und eine Priorisierung nicht rein nach Volumen oder Aktionismus schaffen, sondern nach volkswirtschaftlichen und ökonomischen Kennzahlen. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Viele Unternehmer sind ja auch ungeduldig geworden über die letzten Jahre und haben gesagt, ja gut, bevor die Politik da irgendwie aus ihrem Elfenbeindurm heraus mal tätig wird, nehme ich die Dinge selbst in die Hand und investiere in meinen Ort, in meine Infrastruktur, im Rahmen meiner Möglichkeiten selber. Das ist natürlich auch ein probates Mittel, aber wird wahrscheinlich auch auf Grenzen stoßen. Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Also wir sehen, dass Unternehmungen ihre Produktionsprozesse anpassen. Wir sehen, dass Lagerbestände aufgebaut werden. Wir sehen, dass sogar Produktionsfaktoren umgebaut werden. Aber das kann nur so lange funktionieren, bis ein Wettbewerbsnachteil entsteht. Das heißt also ja, jeder Einsatz und jede Überlegung darin, wenigstens kurz - und mittelfristig sich mit seiner Produktion und seinen Voraussetzungen an die aktuelle Infrastruktur anzupassen, macht sicher Sinn. Aber mittel - und langfristig müssen, wie vorhin dargestellt, gemeinsame Lösungen gefunden werden über alle Parteien, die wir erwähnten. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Wir können also festhalten, parallele Modernisierung ist so das Thema, damit unsere Infrastruktur schnell vorankommt. Das heißt aber auch, dass viele Baustellen gleichzeitig vonstatten gehen werden. Bedeutet im Umkehrschluss auch eine steigende Komplexität bei allen Projekten, was natürlich auch bedeutet, ein höherer Verzögerungsdruck, der damit einhergeht. Denn Just -in -Time ist ja oft schön und gut, wenn es funktioniert, aber wir haben ja genug Projekte in der Vergangenheit gesehen, wo das eben nicht funktioniert hat. Und gleichzeitig birgt das auch die Gefahr von vielen Engpässen. Was sollte denn jetzt priorisiert werden, damit so Engpässe beherrschbar bleiben und dieses Thema Modernisierung eben nicht unter die Räder kommt? Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Also erstmal müssen wir nach Schadensfällen schauen. Also wo haben wir, und das sehen wir in unserer Studie auch, es gibt ja Teile der Infrastruktur, wo wir nachweislich sehen können, dass wir hier eine hohe Sorge haben können, dass wir Schadensfälle haben und Ausfahrfälle. Also das muss natürlich an eins gesetzt werden, genauso wie Resilienz der Infrastruktur. Das sind Themen, die müssen wir hoch priorisieren. Außerdem volkswirtschaftlicher Nutzen und die Möglichkeit, dass wir Engpässe beseitigen. Das ist auch ein Thema, was wir ganz klar sehen müssen. Und dann dieser nationale Infrastruktur -Taktplan, der uns eine Breite darüber gibt, welche Projekte wir haben, wie wir diese umsetzen und damit auch die Unternehmen in die Lage versetzen, langfristig zu planen und nicht auf den Preispunkt zu gehen, sondern auf Langfristigkeit und Investitionen. Und wir haben natürlich auch eine Chance bei all dem, wenn wir gleichzeitig Projekte angehen und die Transparenz haben, können wir auch Effizienzen schaffen, Indem wir zum Beispiel im Tiefbau gemeinsam ein Problem anschauen und versuchen das zu lösen und nicht nur einmal aufbuddeln und dann schauen, was habe ich für eine Lösung und übermorgen wieder. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Das ist auch so ein bisschen der Klassiker. Die Straße wurde gerade neu asphaltiert und dann kommt ein paar Wochen später wieder ein Tiefbauunternehmen, reißt die gerade neu asphaltierte Straße auf, um irgendwelche Leitungen zu legen und ein paar Monate später kommt wieder ein neues Unternehmen und macht die Straße wieder auf und dann ist sie in demselben Zustand, wie sie vor einem Jahr war, wo sie modernisierungsnötig war. Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Absolut. Und wir müssen uns gemeinsam mit den Akteuren von der Öffentlichkeit, aber auch bis zur Gesellschaft zusammensetzen, um zu schauen, wie wir hier Transparenz schaffen. Die Daten gibt es ja. Wir müssen diese übereinanderlegen und gemeinschaftlich denken und dann in einer koordinativen Weise abwickeln. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Und wie gehen wir das bei so einem Projekt ganz konkret an? Das heißt, diese kollaborative Umsetzungsweise, wie kann das konkret aussehen? Wenn wir uns jetzt mal so einen runden Tisch vorstellen, welche Akteure sitzen da am Tisch und sprechen miteinander? Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Also der Staat sitzt erstmal mit ganz vielen Ressorts am Tisch und überlegt sich aus den unterschiedlichen Verkehrsträgern, aus den unterschiedlichen Investitionsklassen, wo habe ich meine Projekte, was wird kurz-, mittel - und langfristig priorisiert in der Umsetzung und welche Art von Priorisierung suche ich überhaupt. Dabei muss ich auch darüber nachdenken, dass der Staat sich überlegt, wenn ich das jetzt tue, wie kann ich das im Wesentlichen verlässlich finanzieren, damit Vertrauen entsteht und wie kann ich, wenn ich diese großen Themen vorantreiben will, eigentlich auch schauen, dass ich es schnell schaffe, indem ich beispielsweise digitalisiere und mir auch überlege, wie ich ausreichend Personal heranschaffe. Dann sitzt natürlich auch das Unternehmen am Tisch, das schaffen kann, dass es die Abwicklungsmodelle hat, dass es digitalisiert, dass es auch dafür sorgt, dass ausreichend Fachkräfte da sind. Ein Riesenthema auch in der Industrie. Und dass sich darauf einstellt, neue Prozesse zu bedienen und diese auch in Wirklichkeit umzusetzen. Wenn wir Glück haben, sitzen auch ganz viele Finanzgeber, die sich dann überlegen, wenn ich das alles höre, wie möchte ich denn hier investieren? Wie kann ich interessante Fondsstrukturen beispielsweise schaffen, um Kapital nicht nur aus der öffentlichen Hand, sondern aus der Privatwirtschaft einzubringen und so viel mehr Umsetzung schaffen. Und dann sitzen hoffentlich noch gesellschaftliche Vertreter am Tisch, die gemeinsam überlegen, was brauche ich, um Akzeptanz in der Bevölkerung zu bekommen, wie kann ich mich als Bürger einbringen und dann auch schnelle Lösungen finden und nicht langfristige Prozesse auch noch länger machen, indem ich sie ewig diskutiere. Da möchte ich nichts Negatives sagen, aber es braucht die Parteien, um gemeinschaftlich eine Lösung zu finden. Also ein großer Tisch mit vielen guten Entscheidungen, hoffe ich. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Klingt alles super. Jetzt gehen wir mal davon aus, das kriegen wir hin und wir sprechen in 10 bis 15 Jahren nochmal zu demselben Thema und gucken zurück. Woran lässt sich dann messen, ob diese Infrastruktur wirklich dann auch zu einem Wachstumstreiber für Deutschland geworden ist und sozusagen diese erhofften Mehrwerte, diesen Wachstumsschub durch die Investitionen gebracht hat? Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Ja, also da können wir hoffentlich ganz viele Kennzahlen abhaken. Also steigende Investitionen. Hoffentlich sehen wir eine Produktivitätssteigerung, denn wir haben ja vorhin davon gesprochen, ein Euro wird zu 1 ,20 Euro. Das muss sich also zeigen, das werden wir hoffentlich messen können. Und so messen wir das im Bruttoinlandsprodukt. Jede Firma wird hoffentlich erkennen können, die davon abhängig ist, eine funktionierende Infrastruktur zu haben, dass beispielsweise Logistikkosten sinken. Also ich habe wieder mehr von dem investierten Euro. Euro -Produktionsausfälle werden häufig hoffentlich weniger, sodass man sagt, ich kann wieder verlässlich das liefern, was ich auch möchte und kann es auch in die Konjunktur einbringen. Naja, und wir alle, wenn wir im Zug sitzen, wenn wir auf Autobahn fahren, haben hoffentlich weniger Verspätung und weniger Stau. Und jetzt der Gedanke zum Mitnehmen. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Über welche Fragestellungen, welchen Impuls oder auch vielleicht welche These sollen unsere Zuhörerinnen und Zuhörer im Anschluss an diese Folge einmal nachdenken? Was möchtest du denen mitgeben? Rebekka Berbner - PwC Deutschland
Start: End: Infrastruktur war in den letzten Jahren eine große Reparaturaufgabe. Wir haben nicht so an Innovation und vorausschauend gedacht. Wir sehen aber, dass es ein Hebel sein kann für Wachstum, Innovation und Stärkung unserer Industrie. Ich möchte mitgeben, dass das Wir hier im Vordergrund steht. Staat, Gesellschaft, Finanzgeber und jedes Unternehmen kann beitragen, als Individuum und als Gesamtheit. Und das finde ich eine super Chance für Deutschland. Und das halte ich für einen der wichtigsten Punkte im Thema Infrastruktur. Matthias Rutkowski (Host)
Start: End: Wir können also festhalten, weg vom Reparieren hin zum Neuerfinden des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Rebecca, ganz lieben Dank für das Gespräch und für die Einsichten. Danke, Matthias. Und wir liebe Zuhörerinnen und Zuhörer hören uns kommende Woche wieder zu einer neuen Folge So klingt Wirtschaft. Bis dahin, macht's gut. Station Voice
Start: End: So klingt Wirtschaft. Haben Sie Fragen, Kritik oder Anmerkungen? Dann schreiben Sie uns gerne an podcast -at -handelsblatt -group .com. Gefällt Ihnen, was Sie hören? Dann bewerten Sie uns gerne auf Spotify oder Apple Podcasts.
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