Networking als Businessbooster: die Dos und Don‘ts des Netzwerkens
Shownotes
Nachhaltige Beziehungen sind der Schlüssel zum Erfolg. Lerne, wie du Ablehnung überwindest, ein starkes Netzwerk aufbaust und davon profitierst.
Die angesprochene Studie findest du hier: https://www.iab-forum.de/iab-stellenerhebung-1-2023-175-millionen-offene-stellen-am-arbeitsmarkt/
Mehr zu So klingt Wirtschaft, dem wöchentlichen Business-Podcast der Solutions by Handelsblatt Media Group, unter: handelsblatt.com/adv/soklingtwirtschaft/
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Dr. Priscilla Schelp: Mein Gefühl ist, dass Angestellte oft erst anfangen zu netzwerken, wenn sie eine neue Position suchen. Das funktioniert nicht. Man kann ein Netzwerk nicht einfach an- und ausschalten. Vor allem ist Netzwerken etwas, das Zeit braucht. Es ist wie eine Geldanlage – es hat einen kumulativen Effekt.
Einspieler: So klingt Wirtschaft. Zukunftsthemen für Unternehmen. Jeden Mittwoch sprechen wir mit Entscheiderinnen über die Herausforderungen und Trends in ihrer Branche. Mit jeder Menge Insights und neuen Denkanstößen aus der Wirtschaft für die Wirtschaft.
Simone Nissen: „Kontakte schaden nur dem, der keine hat“ – diese alte Weisheit gilt heute mehr denn je. Flache Hierarchien, ständige Transformationen, häufige Jobwechsel: Die Situation auf dem Arbeitsmarkt führt zu ungewöhnlichen Karriereverläufen. Damit liegt beruflicher Erfolg immer mehr in der eigenen Hand. In So klingt Wirtschaft schauen wir uns heute an, welches Potenzial klassisches Netzwerken bietet und wie sich jeder zum Networking-Profi entwickeln kann.
Einspieler: Warum ist das wichtig?
Simone Nissen: Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ist der wichtigste Rekrutierungsweg immer noch der persönliche Kontakt. Fast 60 % aller Stellen haben Betriebe im Jahr 2022 über diesen Weg besetzt. Zum Vergleich: Über Internet, Jobbörsen, Firmenwebsites oder soziale Medien konnten Unternehmen rund 40 % ihrer Stellen besetzen. Nachgehakt: Was braucht es, um erfolgreich zu netzwerken? Wo ist der ideale Ort? Und wie viel muss ich in mein Netzwerk investieren, um auch etwas zurückzubekommen? Ich bin Simone Nissen und diese Fragen beantwortet uns heute Dr. Priscilla Schelp. Sie ist Networking-Profi und hat in diesem Bereich zwei Unternehmen gegründet: Networkx kuratiert Mitglieder für exklusive Clubs weltweit, und Networkx Services stellt Gästelisten für Top-Events in Europa zusammen. Priscilla sagt: Netzwerken ist eine Fähigkeit, die sich trainieren lässt. Hallo Priscilla!
Dr. Priscilla Schelp: Hi, danke, dass ich da sein darf.
Simone Nissen: Du stammst aus einer ländlichen Gegend in der Schweiz und hast heute ein weltweites berufliches Netzwerk. Wie hast du das geschafft?
Dr. Priscilla Schelp: Ich habe tatsächlich damit angefangen, Bücher zu lesen. Zum Beispiel: Top Ten Networking Tipps. Ich habe mir jeweils einen Tipp ausgesucht und ihn solange geübt, bis ich ihn verinnerlicht hatte, bevor ich mit dem nächsten weitergemacht habe. Eine große Hilfe war auch mein Engagement im Ehrenamt. Das hört sich oft langweilig an, aber es gibt sehr coole Möglichkeiten: in Stiftungen, der Politik, dem Umweltschutz oder der Wirtschaft. Durch mein Ehrenamt habe ich einen Nachwuchspreis von einem hochkarätigen Club erhalten. Dort traf ich viele interessante Leute, und durch das Zeitverbringen und Zuhören habe ich unglaublich viel gelernt. Außerdem habe ich jede Gelegenheit genutzt, um Veranstaltungen zu besuchen und neue Menschen kennenzulernen. Zuhause auf der Couch ist es schwierig – selbst wenn man soziale Medien wie LinkedIn nutzt, muss man letztendlich aktiv rausgehen.
Simone Nissen: Was ist für dich der größte Unterschied zwischen Netzwerken auf LinkedIn und klassischem Netzwerken?
Dr. Priscilla Schelp: Wir sehen uns heute zum ersten Mal in Person, und es macht einen Unterschied, die andere Person physisch wahrzunehmen. Online fehlen uns wichtige Dimensionen. LinkedIn kann ein toller Einstieg sein, aber irgendwann sollte man den Kontakt ins echte Leben übertragen. Wir haben uns vor diesem Interview unterhalten und die Bindung zueinander ist dadurch eine ganz andere geworden. Reales Netzwerken kombiniert mit Social Media schafft ein diversifiziertes Netzwerk. So wie bei Investments: Man sollte nicht alles auf eine Karte setzen, sondern sich breit aufstellen – durch verschiedene Branchen, geografische Regionen und unterschiedliche Hierarchieebenen.
Simone Nissen: Wie war die Situation damals, als du angefangen hast? Kannst du das für andere Zuhörende beschreiben?
Dr. Priscilla Schelp: Wenn man etwas Neues ausprobiert, wie Programmieren, merkt man sofort, wenn etwas nicht klappt. Beim Netzwerken ist das schwieriger. Wenn jemand komisch reagiert, weiß man nicht immer, warum. Man muss Annahmen treffen, sie testen und daraus lernen. Es erfordert Geduld und die Bereitschaft, Ablehnung zu akzeptieren. Netzwerken ist wie eine langfristige Investition – man kann keine Abkürzungen nehmen. Heutzutage möchten viele schnelle Ergebnisse, aber beim Aufbau von Beziehungen gibt es keine Sofortlösungen. Ein häufiger Fehler ist, dass Angestellte erst anfangen, Kontakte zu knüpfen, wenn sie eine neue Stelle suchen. Das funktioniert nicht. Man muss ein Netzwerk aufbauen, bevor man es braucht, und bereit sein, selbst etwas zu geben.
Simone Nissen: Kannst du uns eine typische Regel nennen, die du damals ausprobiert hast?
Dr. Priscilla Schelp: Eine der Basics ist: „Interested, not interesting“. Viele Menschen versuchen, sich selbst in den Vordergrund zu stellen und ihre Erfolge hervorzuheben. Das wirkt oft oberflächlich. Stattdessen sollte man die andere Person kennenlernen und neugierig Fragen stellen. Das schafft eine echte Verbindung.
Simone Nissen: Hilft das auch, die Angst vor Ablehnung zu reduzieren? Viele Menschen empfinden Netzwerken als unangenehm.
Dr. Priscilla Schelp: Ja, das hilft. Angst entsteht, wenn man zu sehr auf sich selbst fokussiert ist. Wenn man hingegen darauf konzentriert ist, Mehrwert zu bieten – sei es durch das Teilen von Wissen oder echtes Interesse an der anderen Person – hat man keine Zeit für solche Ängste.
Simone Nissen: Was sind konkrete Dos und Don’ts bei Veranstaltungen?
Dr. Priscilla Schelp: Das Wichtigste ist die innere Einstellung. Man sollte nicht auf ein Event gehen, um sich selbst darzustellen, sondern um andere kennenzulernen und zu verstehen, was sie bewegt. Wenn man nützlich sein kann, entsteht eine echte Verbindung. Netzwerken ist wie ein Memory-Spiel: Man merkt sich, was eine Person hat, kann oder braucht, und verbindet sie mit anderen. Das macht einen wertvoll und sorgt dafür, dass man zu immer besseren Veranstaltungen eingeladen wird.
Simone Nissen: Wie schafft man es, auf Top-Events eingeladen zu werden?
Dr. Priscilla Schelp: Man muss verstehen, wie solche Veranstaltungen organisiert werden. Oft gibt es spezifische Kriterien, wie etwa bestimmte Unternehmenspositionen. Man kann sich auch gezielt platzieren lassen, indem man beispielsweise mit Kuratierungsfirmen zusammenarbeitet.
Simone Nissen: Wie findet man den richtigen Club für sich?
Dr. Priscilla Schelp: Man sollte auf sein Bauchgefühl hören. Ein guter Club fühlt sich wie eine Familie an. Es ist wichtig, Clubs weise auszuwählen, da sie auch Zeit beanspruchen.
Simone Nissen: Kostet das nicht auch wahnsinnig viel Zeit?
Dr. Priscilla Schelp: Ich glaube, man muss sich weise Clubs auswählen. Es gibt auch seit COVID immer mehr Clubs oder Mixed Clubs. Ich habe zum Beispiel eine coole Sache. Ich bin im Rotary Club im Silicon Valley und weil ich die Menschen dort total spannend finde und die Anwesenheitspflicht ist nicht so hoch, das heißt, ich kann es vereinbaren und ich bin dann halt, also wenn ich da bin, kann ich dort vor Ort hingehen. Wenn ich hier bin, kann ich teilnehmen, irgendwie einmal im Monat. Ich glaube, man darf an Netzwerk nicht transaktionell rangehen und sagen: „Ich geh heute zu dieser Veranstaltung und das sind jetzt vier Stunden, die von meiner Freizeit abgehen. Und da will ich jetzt mindestens drei Kontakte, die mir das und das bringen.“ Funktioniert nicht, weil das Single und das ist übrigens bei schlechten Netzwerkevents. Da gehen alle hin, wollen etwas und gehen alle allein und traurig nach Hause. Eine Sache, die man immer geben kann, ist einfach, dass die andere Person sie selbst sein kann und eine gute Zeit hat oder dass man zusammen lacht. Also ich muss nicht immer. Das ist übrigens so ein Irrtum. Man muss nicht erfolgreich sein, um erfolgreich zu netzwerken, sondern man muss netzwerken, um erfolgreich zu sein.
Simone Nissen: Würdest du sagen, dass du als Frau anders netzwerkst als als Mann?
Dr. Priscilla Schelp: Also ich stand letztens lustig auf einem der Wirtschaftsgipfel und hab ein Foto nach unten gemacht, weil ich hatte so meine Heels an, mein Kleidchen und das war so ein Kreis und alles nur schwarze Männerschuhe und Hosen. Und tatsächlich, ich finde Netzwerken mit Männern sehr angenehm. Ich habe das Gefühl, Frauen wird das nicht so beigebracht oder den vielen. Also es wird besser, ein bisschen so die Vorbilder. Bei Männern ist es so: Ich helfe dir und du hilfst mir, wenn es mir möglich ist. Und dazu müssen die sich nicht mal unbedingt mögen oder lieben oder sonst was. Sondern es sind so, man hat sowieso Seilschaften, was toll ist, weil man weiß, man hat einen gewissen Rückhalt und wenn die anderen Personen können, dann tun sie ihr Möglichstes, um zu gucken, dass so, wenn du ein Problem hast oder irgendwas brauchst, das. Bei Frauen ist es anders. Mein enger Zirkel ist schon so, dass die das auch machen. Aber generell ist es bei Frauen eher so, dass man um Hilfe fragt und wenn die andere einen guten Tag hat, dann hilft sie. Aber dieses verbindliche, dieses ungeschriebene Gesetz, dass man sich gegenseitig hilft, das ist nicht so da.
Simone Nissen: Muss man denn auch vielleicht einfach um Hilfe bitten? Also viele Menschen fühlen sich ja auch hilflos oder alleingelassen, zeigen aber auch nicht wirklich, dass sie Hilfe wollen. Also wie authentisch gehe ich denn eigentlich mit dem Wunsch rein, von einem Netzwerk zu profitieren?
Dr. Priscilla Schelp: Also ich glaube immer, dass man natürlich fragen oder sagen muss, was man braucht. So, das ist aber so, wenn man das ein paar Mal erlebt, dass die anderen Personen dann blöd reagieren und sagen: „Jetzt fühle ich mich aber unter Druck gesetzt“, dann lässt man das sein. Und die andere Sache ist, dass man natürlich, wenn man Leuten hilft, dass man irgendwie auch umgekehrt ein gewisses Gefühl haben muss, sich darauf verlassen zu können, dass eben auch umgekehrt mal so wäre. Diese Dynamik entwickelt sich jetzt erst gerade, würde ich sagen, bei Frauen und im Netzwerken. Ähm, ich glaube, es ist okay, den Wunsch zu haben, dass irgendwann auch was zurückkommt. Und das ist ja nicht selfish, sondern es ist ja normal. Also wir, also alles im Leben muss auf Dauer eine Balance haben. Jede Beziehung, ob das Business-Beziehungen, romantische Beziehungen, Freundschaft ist, alles. Auf Dauer muss es ausbalanciert sein. Das heißt, in jedem Moment muss mal der eine höher, mal der andere höher. Und wenn man ein Foto macht zu einem gewissen Zeitpunkt, werden nie beide gleich sein. Aber deswegen ist es halt. Im Grunde genommen ist es gesund, auch was zu nehmen und wenn man nicht nehmen kann, torpediert man Freundschaften. Oder auch Business-Beziehungen. Es gab mal eine lustige Studie dazu. Wenn man jemanden gebeten hat, zum Beispiel: „Kannst du hier meinen Mantel aufhängen?“, „Kannst du meinen Kaffee holen?“ Leute haben eine Freude und das ist auch so Joy of giving. Ja, wir haben eine Freude, kleine Sachen zu tun für jemand anders. Das heißt, wenn jemand anders was Kleines für mich tut, er dadurch mehr, als würde ich ihm helfen, weil die Person sich dann vielleicht schuldig fühlt. Das heißt, es braucht beide Richtungen. Das Ding ist, was man nicht machen sollte. Man sollte nun nicht zu einem Event oder einer Person gehen und sagen: „Hey, ich brauch mal“ oder immer „nein“. Sondern man muss erst mal eine Beziehung eigentlich aufbauen, ohne was zu wollen. Und das ist übrigens auch so eine Sache. Ich sehe es auf ganz vielen Konferenzen, dass da so große Namen sind und alle Leute flocken um die herum. Ich spreche immer mit allen anderen drum herum und meistens sind die super interessant, super nett, happy, dass man mit ihnen spricht und dann überlegt man sich und dann hört man zu, lernt sich kennen: Was brauchst du, was brauch ich? Und vielleicht, selbst wenn die Person mir jetzt nicht direkt helfen kann, wenn ich erzähle, ich brauche das und das, stellt sie mir andere Leute vor. Das heißt, ich gehe viel stärker auf: Ich gucke, mit wem klicke ich, wen mag ich als Person und gucke dann, wie man sich gegenseitig helfen kann, als dass ich auf jemanden gehe, wo ich denke, das ist nützlich. Und das ist der Hauptgrund, wieso die meisten Menschen eine sehr schlechte Erfahrung mit Netzwerken haben. Weil sie nämlich gucken, also wer ist hilfreich und nicht auf die Leute gehen, mit denen sie können und dann wird Netzwerken Arbeit, da macht es keinen Spaß und dann wird das hart und man versucht Business zu machen. Mit Leuten, die man nicht mag, geht es meist auch nicht so gut.
Simone Nissen: Na ja, wir kommen jetzt langsam zum Ende unseres Podcasts. Gibt es etwas, was du den angehenden Networking-Pros unter unseren Zuhörern dann noch mit auf den Weg geben möchtest?
Dr. Priscilla Schelp: Ähm, ich glaube, das Wichtigste ist, bevor man irgendwo rausgeht, dass man sich primt, dass man sich quasi in die Stimmung versetzt, in der man gerne sein möchte, wenn man da reingeht. Und das beste Mittel, positiv gestimmt zu sein, ist Dankbarkeit. Das heißt, sich zu überlegen: Für welche Leute bin ich dankbar? Welche tollen Leute habe ich schon kennengelernt? Und dann geht man mit positiver, froher Erwartung irgendwo hin und dann ist in der Regel das Ergebnis auch viel besser.
Simone Nissen: Ja, das ist cool. Danke, liebe Priscilla und euch, liebe Zuhörende, danke fürs Einschalten. Seid gerne auch kommenden Mittwoch wieder dabei, wenn es heißt: So klingt Wirtschaft.
Einspieler: So klingt Wirtschaft. Haben Sie Fragen, Kritik oder Anmerkungen? Dann schreiben Sie uns gerne an podcast@handelsblattgroup.com. Gefällt Ihnen, was Sie hören? Dann bewerten Sie uns gerne auf Spotify oder Apple Podcasts. _Dieser Podcast ist kein Produkt der Handelsblatt-Redaktion. Für den Inhalt sind die Interviewpartner*innen und die Handelsblatt Media Group Solutions verantwortlich._
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